24 – die wiederkehr

Im dunklen Schoß der Erde geschieht etwas: Auf eine Entscheidung (Zhen) folgt eine lange Phase des Wachsens und Materialisierens (Kun) – auch wenn wir zunächst einmal nichts davon sehen. Ich weiß nicht, was schwieriger ist: die Entscheidung oder die Geduld.

In jedem Fall sollte unsere Entscheidung unserem tiefsten Empfinden entsprechen. Und so wenig wie möglich von unserem Alltagsbewusstsein und/oder unserem kulturellen Umfeld beeinflusst sein. Eine Entscheidung, in der wir uns wiederfinden, genau so, wie wir sind und empfinden. Eine Entscheidung, die wir dann der Welt anvertrauen. So als würden wir den perfekten Samen in die Erde pflanzen. Um ihm – dem Samen, der Entscheidung – dann Raum und Zeit zu geben, sich in der Welt zu materialisieren.

Fallstudie

Hexagramm 24 – die Wiederkehr beginnt mit einer Yang-Linie, gefolgt von fünf Yin-Linien. Auf das untere Trigramm Zhen, der Donner, folgt dreimal Kun, die Erde: als erstes und zweites Kernzeichen, und schließlich als oberes Trigramm.

Im dunklen Schoß der Erde geschieht etwas: Auf eine Entscheidung (Zhen) folgt eine lange Phase des Wachsens und Materialisierens. Oder, um ein konkreteres Bild zu verwenden: Etwas geschieht etwas, der Keim wächst (und die Pflanze kehrt wieder).

Aber wir sehen nichts davon. Es geschieht im dunklen Schoß der Erde. Und genau das – dass wir nichts sehen, nichts wahrnehmen können von dem, was dort geschieht – verunsichert uns oft sehr.

Im Frühjahr beschloss ich, Basilikum selbst zu säen, anstatt es wie üblich bereits gekeimt beim Gärtner zu kaufen. Also habe ich einen Topf und Erde vorbereitet, Samen gekauft und gepflanzt. Und nichts passierte. Jeden Tag schaute ich nach dem Topf und dachte: „Vielleicht waren die Samen nicht gut? Vielleicht hat ein Vogel die Samen aus der Erde gepickt? Soll ich nachsäen?“ Ich war versucht, in der Erde herumzustochern, um zu sehen, ob sich etwas bewegte.

Aber ich tat es nicht. Ich unterdrückte meine Neugier und die Gedanken der Ungewissheit („So schlossen die frühen Könige zur Sonnwende die Pässe….“). Ich wartete.

Basil - Basilikum auf meinem Fensterbrett

Nach 10 Tagen geschah das Wunder: Mein Basilikum keimte. Ein Hauch von… Grün! (Das mit den 10 Tagen stand übrigens genau so auf der Packung…)

Welche Empfehlung gibt uns das I Ging nun mit dem Hexagramm 24 – die Wiederkehr? Ich denke, zunächst einmal geht es darum, eine klare Entscheidung zu treffen, gewissermaßen den perfekten Samen zu pflanzen. Eine Entscheidung, die mit unseren tiefsten Empfindungen übereinstimmt und die so wenig wie möglich von unserem Alltagsbewusstsein und/oder unserem kulturellen Umfeld beeinflusst ist. Eine Entscheidung, die uns als die Person widerspiegelt, die wir sind.

Und dann sollten wir dieser Entscheidung vertrauen, diesem Samen, den wir in die Welt gepflanzt haben. Ihm Raum und Zeit zu geben, damit er sich in der Welt materialisieren kann.

Ich weiß nicht, was schwieriger ist: die Entscheidung oder die Geduld. Denn wie bei meiner Basilikumpflanzung geschieht hier etwas, ohne dass wir es sehen. Aber wir sind es gewohnt, Dinge zu tun, zu handeln, zu agieren, und anstatt einfach abzuwarten, lassen wir uns allzu leicht zu blindem Aktionismus verleiten.

Vielleicht weil wir unseren eigenen Entscheidungen nicht trauen? Ich habe meinen Basilikumsamen anfangs nicht vertraut…

Geschehen lassen, Nicht-Tun, Wu Wei… Das fällt uns eher schwer. Aber genau das ist wohl die wichtigste Empfehlung des Hexagramms: Nicht-Tun. Der eigenen Entscheidung vertrauen – und ihr die Zeit zum Wachsen geben, die sie braucht.

PS: Basilikum zu pflanzen ist vielleicht überhaupt eine gute Idee. Für die Inder ist Basilikum (Tulsi) eine heilige Pflanze. Sie ist dem Gott ist Vishnu geweiht, Symbol seiner Frau, der Göttin Lakshmi, und steht für für Schutz, Gesundheit und Wohlstand.

Weitere Fragestellungen zu Hexagramm 24

  • Ein Nutzer fragte das I Ging: „Wie kann ich eine Person in meiner näheren Umgebung, die mir Schaden zufügt und dies auch weiterhin tun wird, in ihre Schranken weisen?“ Die Person, um die es geht, ist psychisch krank. Es gab bereits mehrere Gespräche und Behauptungen, die sie in die Welt setzte, um Verwirrung zu stiften, wurden als haltlos entlarvt. Leider geht die Sache bis heute so weiter.
  • Seit etwa einem Jahr hat eine Nutzerin immer wieder grippale Infekte, ohne dass sie dafür körperliche oder psychische Gründe angeben könnte. Es fällt ihr schwer, diese Ruhephasen zu akzeptieren. Ihre Frage an das I Ging: „Was hilft mir jetzt in der Zeit meiner Krankheit?“
  • Eine Nutzerin stellt dem I Ging folgende Frage: „Was ist die höchste und beste Empfehlung für meine finanziellen Schwierigkeiten?“ Die Antwort des I Ging lautet: 24 – die Wiederkehr.
  • Die Frage eines Nutzers lautete: „Was ist in meiner Situation – ich bin mitten in einem beruflichen Neuanfang – jetzt zu tun, worum geht es?“ Im Moment ist er beruflich blockiert und das löst bei ihm alte Gefühle der Wertlosigkeit aus, die ihn sehr belasten. Andererseits will er auch nichts erzwingen, schon gar nicht aus diesem Gefühl der inneren Armut heraus. Das I Ging antwortet mit 24 – die Wiederkehr.
  • Eine Nutzerin erhält Hexagramm 24 – die Wiederkehr in einer Situation, die sie wie folgt beschreibt: „Meine Schwester weist mich immer wieder zurück. Wahrscheinlich will sie damit verbergen, wie schlecht sie sich mir gegenüber verhalten hat und weist deshalb meine Annäherungsversuche zurück. Das tut mir weh und ich frage mich, wie ich mich verhalten soll. Tatsächlich ist die Antwort, Hexagramm 24 – die Wiederkehr, wie ein Anker für mich. Ich muss die Erfahrung der Ablehnung annehmen. Ich muss gut mit mir umgehen. Und zwar so lange, bis die Außenwelt es auch tut. Wieder etwas gelernt!“

Die aktuelle Interpretation finden Sie hier: https://www.no2do.com/hexagramme/788888.htm